Positionen

Versorgung sichern: Personal, Finanzierung und Bürokratie im Griff.

Die Wahrheit ist am Bett: Ausreichende Pflegeplätze, nicht schöne Konzeptpapiere sind entscheidend.

Häusliche Pflege allein trägt nicht mehr – wir brauchen mehr professionelle Angebote.

Starre Quoten und Doppelregulierung müssen weg, sonst gibt es keine zusätzlichen Plätze.

Auf Deutschland rollt eine Pflegewelle zu: Schon heute sind rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, bis 2050 werden es voraussichtlich 7,5 Millionen sein. Gleichzeitig stagniert die Zahl der stationären Pflegeplätze, in manchen Regionen geht sie sogar zurück. Die Folge: Wartelisten, Notlösungen, überlastete Angehörige. 

Der Arbeitgeberverband Pflege sagt klar: Versorgungssicherheit ist das oberste Ziel der Pflegepolitik. Entscheidend ist nicht, wie viele Konzepte, Programme und Modellprojekte es gibt, sondern ob am Ende genug gute Pflegeplätze zur Verfügung stehen – stationär wie ambulant. Noch werden rund 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Das ist beeindruckend. Aber Umfragen zeigen: Weniger als die Hälfte der Bevölkerung kann oder will das dauerhaft leisten. Politik und Gesellschaft müssen ehrlich anerkennen, dass der Bedarf an professionellen Pflegeplätzen deutlich steigen wird.

Um schnell mehr Kapazitäten zu schaffen, brauchen wir flexiblere Regeln. Starre Fachkraftquoten, die vielerorts schon heute nicht erfüllbar sind, gehören auf den Prüfstand. Was zählt, ist, was bei den Pflegebedürftigen ankommt: tatsächliche Versorgungsqualität – nicht das starre Festhalten an Quoten, die vorschreiben, Personal vorzuhalten, das es gar nicht gibt. Kompetente Mitarbeitende auf allen Qualifikationsniveaus müssen besser eingesetzt werden können. Flexiblere stationäre Pflege, neue Versorgungsmodelle, betreute Wohnformen und der intelligente Einsatz von Digitalisierung und KI können einen echten Produktivitätssprung ermöglichen.

Gute Pflegeplätze gibt es nur, wenn Einrichtungen wirtschaftlich arbeiten können. Steigende Löhne, Energie- und Sachkosten treiben die Eigenanteile nach oben. Wer so tut, als ließen sich höhere Löhne und überzogene Bau-Standards zum Nulltarif finanzieren, riskiert, dass Pflege zum Luxusgut wird.

Der AGVP fordert daher: Versorgungssicherheit zuerst. Wir brauchen realistische Personalvorgaben, weniger Bürokratie und eine Finanzierung, die steigende Kosten generationengerecht abfedert, statt sie allein den Pflegebedürftigen aufzubürden. Nur so stellen wir sicher, dass Menschen mit Pflegebedarf rechtzeitig einen Platz finden – und die Unternehmen, die diese Plätze schaffen, auch morgen noch ihre Tore öffnen können.

Pflege attraktiver machen: Entlastung, Fairness und echte Autonomie.

Gute Löhne sind längst Realität in der Altenpflege.

Löhne müssen finanzierbar bleiben – für Pflegebedürftige und Einrichtungen.

Entscheidend sind auch Handlungsautonomie im Berufsalltag und Entlastung durch Innovation, nicht nur mehr Geld.

Die Zeiten, in denen Pflege pauschal als schlecht bezahlt und unattraktiv galt, sind vorbei. In den letzten Jahren sind die Gehälter in der Altenpflege kräftig gestiegen – deutlich stärker als im Durchschnitt der übrigen Branchen. Die Pflegekommission hat sukzessive höhere Lohnuntergrenzen beschlossen und mit der Tariftreue gilt heute eine Regelung, die weitere Lohnsteigerungen faktisch flächendeckend festschreibt. Als berufenes Mitglied der Pflegekommission des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales beeinflussen wir die Entwicklung des Mindestlohns für Pflegekräfte. Dabei haben wir die Sicherheit und Bezahlbarkeit der pflegerischen Versorgung fest im Blick.

Dazu kommen verbesserte Urlaubsansprüche und Spitzen-Ausbildungsvergütungen. Der Pflegeberuf bietet Sinn, Sicherheit und ein Gehaltsniveau, das sich sehen lassen kann. Kein Wunder, dass die Ausbildung zur Pflegefachperson mit zuletzt 64.300 (2025) Neueintritten die bundesweit beliebteste ist.  

Der Arbeitgeberverband Pflege begrüßt diese Entwicklung grundsätzlich. Gute Pflege verdient gute Bezahlung. Klar ist aber auch: Löhne können nur dann dauerhaft steigen, wenn sie finanzierbar bleiben – für Pflegebedürftige, für ihre Angehörigen und für die Einrichtungen. In vielen Heimen sind die Eigenanteile in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, weil Personal- und Sachkosten in die Höhe geschossen sind. Pflegekassen und Sozialhilfeträger blockieren oftmals die Refinanzierung dieser Kostensteigerungen. Wer weiter an der Kostenschraube dreht, ohne Gegenfinanzierung sicherzustellen, nimmt billigend in Kauf, dass Menschen sich die Pflege nicht mehr leisten können.

Ebenso wichtig wie das Gehalt sind die Arbeitsbedingungen. Viele Pflegekräfte sagen: „Wir lieben unseren Beruf, aber wir wollen ihn auch ausüben können.“ Anspruchsvolle Schichtdienste, große Verantwortung – und dann noch ein Berg an Vorschriften und Dokumentation. Der AGVP kritisiert seit Jahren, dass Pflegeprofis zu viel Zeit am Schreibtisch verbringen müssen. Man würde auch Piloten nicht vorschreiben, ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit Gepäckabfertigung zu verbringen. Genauso unsinnig ist es, hochqualifizierte Pflegefachleute mit Formularen zu blockieren.

Unsere Position ist klar: Damit Pflegejobs noch attraktiver werden, brauchen sie ein Gesamtpaket. Dazu gehören faire Löhne, Entlastung durch Digitalisierung und KI, weniger Bürokratie und echte Handlungsautonomie. Der AGVP setzt sich deshalb dafür ein, dass die Politik nicht nur neue Pflichten beschließt, sondern endlich konsequent an Entlastung arbeitet. Davon profitieren Beschäftigte, Einrichtungen und Pflegebedürftige gleichermaßen.

Fairer Wettbewerb sichert Vielfalt und Qualität in der Pflege.

Wir stehen für Trägervielfalt: privat, freigemeinnützig, kommunal.

Wir fordern gleiche Bedingungen für alle Träger – ohne regulatorische Schieflage.

Wettbewerb in der Altenpflege ist kein notwendiges Übel, sondern die Basis einer guten Versorgung.

Die Altenpflege in Deutschland lebt von Vielfalt: private, freigemeinnützige und kommunale Träger tragen gemeinsam die Versorgung. Dieses Nebeneinander ist politisch gewollt – und sinnvoll. Private Unternehmen spielen hierbei mit ihrer unternehmerischen Dynamik und Investitionskraft eine wichtige Rolle. Vielfalt schafft Wahlfreiheit und fördert Innovation. Aber: Sie funktioniert nur mit fairem Wettbewerb.

Das bedeutet in erster Linie, Wettbewerb überhaupt zuzulassen. Immer neue Regulierung schreibt Pflegeeinrichtungen vor, wie ihre Arbeit auszusehen hat – von der Wahl des Bodenbelags über die erlaubten Einrichtungsgrößen bis zur genauen Nachkommazahl des eingesetzten Personals und seiner Qualifikationen. Vereinheitlichende Regulierung bis ins letzte Detail der pflegerischen Versorgung zementiert den Status quo – und damit den Pflegemangel. Mehr Wettbewerb ermöglicht Innovation und eröffnet Wege aus der Notlage, die wir mit regulatorischen Scheuklappen gar nicht erkennen.

In der Realität stemmen private Anbieter einen wachsenden Teil der Versorgungsleistung, insbesondere beim Ausbau neuer Plätze. Ein großer Anteil der derzeit geplanten oder im Bau befindlichen Heime wird von privaten Trägern realisiert. Ohne sie würden viele Regionen beim Platzangebot abgehängt. Umso wichtiger ist, dass alle Träger auf demselben Spielfeld spielen: gleiche Regeln, gleiche Pflichten, gleiche Chancen.

Der Arbeitgeberverband Pflege setzt sich daher entschieden gegen Wettbewerbsverzerrungen ein. Steuerliche Sonderwege, einseitige Förderlogiken oder die Aufweichung des sogenannten Kontrahierungszwangs schwächen den Wettbewerb – und damit am Ende die Versorgung. Der AGVP steht für eine Pflegepolitik, die Trägervielfalt als Stärke begreift und private Initiative nicht ausbremst, sondern nutzt. Unser Ziel ist ein Rahmen, in dem sich die besten Konzepte durchsetzen können – damit Pflegebedürftige und ihre Angehörigen davon profitieren.

Mehr Menschen für die Pflege gewinnen – nachhaltig und mit Perspektive.

Pflege ist heute ein attraktiver Ausbildungsberuf mit guten Perspektiven.

Trotz hoher Ausbildungszahlen bleibt der Mangel – Demografie schlägt Nachwuchs.

Ohne gezielte Zuwanderung und bessere Rahmenbedingungen wird die Versorgung schleichend erodieren.

Die gute Nachricht: Noch nie haben sich so viele junge Menschen für eine Pflegeausbildung entschieden wie heute: Sie ist attraktiv, bietet Jahr für Jahr Top-Ausbildungsvergütungen und die Übernahmechancen sind hervorragend. Pflege ist seit Jahren der beliebteste Ausbildungsberuf – und dazu ein Beruf mit Sinn und Perspektive.

Die schlechte Nachricht: Der demografische Druck ist so groß, dass selbst diese Erfolge nicht ausreichen. Immer mehr ältere Menschen treffen auf eine schrumpfende Zahl erwerbsfähiger Personen. Schon heute arbeiten rund 1,2 Millionen Menschen in der Altenpflege – mehr als in der Automobilindustrie. Und doch bleiben Stellen unbesetzt, ambulante Dienste können nicht mehr alle ihrer Klienten versorgen, den Heimen drohen Aufnahmestopps. Die nachrückenden Jahrgänge können die Lücke der Babyboomer allein nicht schließen, zumal die Letztgenannten in wenigen Jahren in noch größeren Zahlen auf Pflege angewiesen sein werden.

Der Arbeitgeberverband Pflege setzt deshalb auf ein Bündel an Maßnahmen. Im Inland brauchen wir eine starke Ausbildung über alle Qualifikationsstufen: vom angelernten Pflegehelfer über die Pflegefachassistenz bis zur examinierten Pflegefachperson. Die Kenntnisse Angehöriger der Helfer- und Assistenzberufe verdienen mehr Anerkennung, insbesondere der Erfahrungsschatz langjährig Beschäftigter. Sie entlasten das Fachpersonal und erhöhen das Versorgungsvolumen insgesamt. Gleichzeitig gilt es, berufliche Aufstiegswege transparent zu machen und Quereinsteiger gezielt zu gewinnen. Nicht jeder kann Pflege, aber wer gern in die Pflege wechseln möchte und geeignet ist, verdient niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten.

Ohne Zuwanderung wird es dennoch nicht gehen. Schon heute kommt ein wachsender Teil der Pflegekräfte aus dem Ausland. Diese Kolleginnen und Kollegen halten das System mit am Laufen. Der AGVP fordert deshalb: Wir brauchen weniger Hürden und mehr Willkommenskultur – nicht nur in den Köpfen, sondern insbesondere in den Amtsstuben der Republik. Anerkennungsverfahren müssen schneller und berechenbarer werden, Visa-Verfahren unbürokratischer, Sprach- und Integrationsangebote verlässlicher. Wer sich für ein Arbeitsleben in der deutschen Pflege entscheidet, darf nicht im Formular-Dickicht stecken bleiben.

Der AGVP setzt sich dafür ein, dass noch mehr Menschen Pflegeberufe ergreifen und sie gerne und lange ausüben – im Interesse aller, die auf gute Pflege angewiesen sind.

Digitalisierung anerkennen, Bürokratie abbauen, Pflege stärken.

Pflegekräfte sollen (und wollen) mit Menschen arbeiten, nicht mit Formularen.

Wir wollen weniger Vorgaben, mehr Ergebnisorientierung.

Digitale Lösungen müssen als echte Entlastung anerkannt und in Personal- und Finanzierungslogiken berücksichtigt werden, wenn Digitalisierung in der Pflege gelingen soll.

Kaum ein Thema treibt Pflegekräfte so sehr um wie Bürokratie. Viele berichten, dass sie einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation und Formularen verbringen. Jedes zusätzliche Pflichtkonzept, jede neue Strukturvorgabe bedeutet: weniger fachliche Zuwendung am Bett, mehr bürokratischer Frust am Schreibtisch. Die Politik beklagt den Fachkräftemangel und bindet im selben Atemzug die vorhandenen Fachkräfte an Papier. Das passt nicht zusammen.

Der Arbeitgeberverband Pflege fordert seit Jahren einen echten Befreiungsschlag beim Bürokratieabbau. Dokumentation soll der Pflege dienen, nicht die Pflege der Dokumentation. Einrichtungen müssen an der Ergebnisqualität ihrer Pflege gemessen werden, nicht an der Dicke ihrer Aktenordner. Wir fordern eine Vertrauenskultur. Das heißt: klare Ziele und Standards – aber weniger Detailvorgaben, weniger Doppelprüfungen, weniger Konzepte, die ungelesen in Schubladen verschwinden. Wer Pflegeprofis entlastet, gewinnt sofort Zeit und Energie für die eigentliche Pflege.

Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug. Elektronische Pflegedokumentation, digitale Dienstpläne, Sensorik, Telemedizin, KI-gestützte Planung – all das gibt es bereits. Richtig eingesetzt können solche Lösungen Routinen übernehmen, Fehler reduzieren und Abläufe beschleunigen. Der AGVP spricht hier von „digitaler Mitarbeit“: Technologie wird zum virtuellen Teammitglied. Wenn zum Beispiel eine digitale Lösung einen Teil der Dokumentation automatisiert oder Sturzrisiken zuverlässig überwacht, dann ersetzt sie Arbeitszeit – und schafft Kapazität für die Versorgung Pflegebedürftiger.

Unsere Forderung: Digitale Entlastung muss anerkannt und angerechnet werden. Investitionen in Technik gehören nicht schulterzuckend hingenommen, sondern mit Anreizen versehen. Wenn durch Digitalisierung mehr Leistung möglich ist, sollte das auch bei Personalschlüsseln und in der Finanzierung berücksichtigt werden. Noch scheitern viele gute Ideen und existierende Lösungen an komplizierten Vorgaben und fehlenden Abrechnungsmöglichkeiten.

Weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung sind keine Nice-to-have-Projekte, sondern eine Voraussetzung für zukunftsfeste Pflege. Der AGVP setzt sich dafür ein, dass aus Einzelprojekten endlich flächendeckende Praxis wird. Das Ziel ist klar: weniger Akten, mehr Zuwendung; weniger Formulare, mehr Versorgung. Das entlastet Teams, stabilisiert Einrichtungen und sorgt für verlässliche Versorgung.

Wir beziehen klar Stellung zu zentralen Fragen der Pflegepolitik. Dabei haben wir die Sicherheit und Bezahlbarkeit der pflegerischen Versorgung fest im Blick. Wir vertreten die Interessen der Pflegeunternehmen – sachlich fundiert, meinungsstark und lösungsorientiert.