
Personalgewinnung und Ausbildung
Die Personalsituation und unser Umgang mit ihr beeinflussen entscheidend die Zukunft der Pflege.
Viele Beschäftigte, aber nicht genug
Stand Dezember 2024 arbeiteten etwas mehr als 1,9 Millionen Menschen in der Kranken- und Altenpflege in Deutschland. Wie der Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit analysiert, waren mit Stand Juni 2024 über 817.000 als Pflegefachpersonen, Pflegehilfspersonen und spezialisierte Pflegefachpersonen in der ambulanten und stationären Altenpflege beschäftigt.
Alle Berufsgruppen zusammengenommen arbeiten in der Altenpflege 1,2 Millionen Beschäftigte. Zum Vergleich: In der deutschen Automobilindustrie arbeiteten zum Jahresende 2024 rund 773.000 Beschäftigte. Dennoch reichen die vorhandenen Kapazitäten vielerorts nicht aus.
Der demografische Wandel wird diese Entwicklung zukünftig verschärfen.
Pflegeausbildung im Aufwind
Dabei ist das Interesse an der Pflegeausbildung groß: 2024 begannen rund 59.500 Menschen eine Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann. Ende des Jahres befanden sich insgesamt etwa 147.000 Personen in dieser Ausbildung. Auch bei der Ausbildungsvergütung bewegt sich die Pflege anhaltend unter den Top3. Auch wenn man es kaum glauben mag: Die Pflegeausbildung ist die beliebteste Ausbildung in Deutschland.
Demografie-Dilemma bleibt
Trotz dieser Erfolge bleibt das Demografie-Dilemma bestehen: Immer mehr ältere Menschen treffen auf eine kleiner werdende Gruppe Erwerbstätiger. Viele erfahrene Pflegekräfte der Babyboomer-Generation gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Der Arbeitgeberverband Pflege weist darauf hin, dass die nachrückenden Jahrgänge die Lücke allein nicht schließen können – selbst bei hohen Ausbildungszahlen.
Fachkräfteeinwanderung als Schlüssel zur Versorgung
Eine Schlüsselrolle spielt bereits heute die Zuwanderung: Beinahe jede vierte in der Altenpflege tätige Pflegekraft kommt aus dem Ausland, ein Trend, der seit Jahren anhält. Seit 2022 geht das anhaltende Wachstum der Beschäftigtenzahlen in der Altenpflege allein auf das Konto ausländischer Mitarbeitender. Der Erfolg bei der Gewinnung ausländischer Pflegekräfte ist vor allem das Ergebnis des Engagements der ausländischen Pflegekräfte selbst, privatwirtschaftlicher Vermittlungsstrukturen und der Pflegeunternehmen, die die Zuwanderung möglich machen.
Dem Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit zufolge kommen rund 90 Prozent der angeworbenen ausländischen Pflegekräfte über privatwirtschaftlich geschlossene Vermittlungsverträge zwischen Arbeitgebern und Vermittlungsunternehmen; staatliche Anwerbeprogramme spielen eine Nebenrolle.
Der Staat leistet seinen Beitrag vor allem über den Rechtsrahmen: Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und die schrittweise Beschleunigung der Anerkennungsverfahren in einigen Bundesländern beseitigten Hürden, die lange Zeit den Zugang zum deutschen Pflegemarkt erschwert haben. Der Staat hat damit vor allem Bremsen gelöst, während der eigentliche „Drive“ der Fachkräfteeinwanderung in der Pflege weiterhin von den Unternehmen, Vermittlern und den Pflegekräften selbst ausgeht.
Weitere Materialien stehen zum Download bereit. Unsere Lösungsansätze, um den vermeintlich chronischen Fachkräftemangel zu überwinden, erläutern wir unter „Positionen“ und in den untenstehenden Pressemitteilungen. Auf der Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft ausländische Pflegekräfte erfahren Sie darüber hinaus, wie die Fachkräfteeinwanderung nochmals deutlich beschleunigt werden kann und wie wichtig dies angesichts der internationalen Konkurrenz ist.

„In der Pflege sind Menschen die entscheidende Ressource, nicht Paragrafen. Wer Personal gewinnen will, muss ausgebildeten Fachkräften mehr Handlungsspielraum geben – und denen, die als Pflegeprofis zu uns einwandern wollen, endlich die bürokratischen Steine aus dem Weg räumen.“
Isabell Halletz, AGVP-Geschäftsführerin