
Demografischer Wandel
Wir beschäftigen uns intensiv mit den Folgen des demografischen Wandels und zeigen auf, wie Versorgungssicherheit gelingen kann.
Rasant wachsender Pflegebedarf
Deutschland altert rasant – und damit wächst der Pflegebedarf. Zum Jahresende 2023 waren knapp 5,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig; ihre Zahl hat sich in nur zehn Jahren mehr als verdoppelt. Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes gehen davon aus, dass bis 2050 rund 7,5 Millionen Pflegebedürftige zu versorgen sein werden – etwa 50 Prozent mehr als 2021.

Pflegeplätze hinken dem Bedarf hinterher
Stand März 2025 arbeiteten rund 1,9 Millionen Menschen in der Kranken- und Altenpflege in Deutschland. Wie der Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit analysiert, waren mit Stand Juni 2024 über 817.000 als Pflegefachpersonen, Pflegehilfspersonen und spezialisierte Pflegefachpersonen in der ambulanten und stationären Altenpflege beschäftigt.
Zum Vergleich: In der deutschen Automobilindustrie arbeiteten zum Jahresende 2024 rund 773.000 Beschäftigte. Dennoch reichen die vorhandenen Kapazitäten vielerorts nicht aus. Während die Zahl der pflegebedürftigen Menschen stark steigt, stagniert die Zahl der stationären Pflegeplätze. In rund 11.300 vollstationären Pflegeheimen stehen etwa 883.000 vollstationäre Plätze zur Verfügung; in den letzten Jahren ist die Zahl der Einrichtungen sogar leicht gesunken.
Dabei hat der Pflegeheim Rating Report 2024 des RWI einen Mehrbedarf von 322.000 zusätzlichen Pflegeplätzen bis 2040 ermittelt. Berechnungen des Arbeitgeberverbands Pflege zeigen, dass der Ausbau der Pflegeinfrastruktur diesem Anspruch hinterherhinkt. Die Pflegeplatzlücke wächst.
Demografischer und finanzieller Druck auf das System
Ein weiterer Effekt des demografischen Wandels: Das Arbeitskräftepotential sinkt. Die Babyboomer gehen in den nächsten Jahren in Rente. Dadurch müssen immer weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte für immer mehr Leistungsempfangende aufkommen. Die Beitragsbelastung für jeden Einzelnen steigt. Deutschland steht vor einer nie dagewesen demografischen und finanziellen Herausforderung. Das deutsche Sozialversicherungssystem hat seine Grenzen erreicht. Es sind dringend Reformen nötig.
Hinzu kommt der Druck aufgrund steigender Kosten in allen Bereichen, der professionelle Pflegeanbieter und Pflegebedürftige gleichsam an die Belastungsgrenze bringt: Höhere Löhne, deutlich gestiegene Energiepreise, Mieten und Pachten sowie teurere Investitionen bei Modernisierung und Instandhaltung lassen die Eigenanteile in stationären Einrichtungen und die Kosten für ambulante Pflegeleistungen weiter steigen.
Grenzen der häuslichen Pflege und Konsequenzen für die Versorgung
Gleichzeitig wird der Großteil der Pflege noch immer zu Hause erbracht: Rund 86 Prozent der Pflegebedürftigen werden überwiegend von Angehörigen versorgt. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Arbeitgeberverbandes Pflege aus dem November 2025 zeigt jedoch, dass weniger als die Hälfte der Angehörigen überhaupt bereit und in der Lage ist, die häusliche Pflege Nahestehender zu übernehmen.
Versorgungssicherheit in der Altenpflege bedeutet deshalb:
Der Ausbau stationärer und ambulanter Angebote muss mit der demografischen Entwicklung Schritt halten.
Die Pflegeversicherung muss so weiterentwickelt werden, dass die Leistungen für eine wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen finanzieren werden können, ohne Beitragszahlerinnen und Beitragszahler sowie Arbeitgeber zu überlasten.
Pflegeeinrichtungen brauchen verlässliche Investitions- und Rahmenbedingungen, unter denen sie Pflege auskömmlich und wirtschaftlich betreiben können.
Der Arbeitgeberverband Pflege weist darauf hin, dass ohne strukturelle Reformen die pflegerische Versorgung zunehmend zum Luxusgut wird.
Durch Bürokratieabbau, flexiblere Personalvorgaben, Förderung von Innovationen und eine generationengerechte Finanzierung kann die pflegerische Versorgung auch in Zukunft erhalten bleiben.

„Der Gesetzgeber unterschätzt die Folgen des demografischen Wandels. Wenn wir nicht jetzt in Pflegeplätze investieren, lassen wir die Generationen im Stich, die unser Land aufgebaut haben.“
Thomas Greiner, AGVP-Präsident