Pressemitteilung

Ohne Pflegewende wird die Pflegekrise zur Gesellschaftskrise

Eigenanteile steigen drastisch, seit Ende 2021 fehlen rund 60.000 zusätzliche Pflegeplätze – und die eigentliche Pflegewelle kommt erst noch.

Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) fordert angesichts steigender Eigenanteile, fehlender Pflegeplätze und der bevorstehenden Babyboomer-Welle eine pflegepolitische Wende: Versorgungssicherheit muss zum Maßstab der Pflegepolitik werden. Pflege muss wieder günstiger werden und Deutschland deutlich mehr Pflegeplätze schaffen.

Dazu erklärt AGVP-Präsident Thomas Greiner:

„Wir brauchen eine pflegepolitische Wende. Sonst wird die Pflegekrise zur Gesellschaftskrise. Pflege muss wieder günstiger werden, die Eigenanteile müssen runter und wir brauchen Pflegeplätze, Pflegeplätze, Pflegeplätze. Die Uhr tickt: Deutschland hat noch rund zehn Jahre, um die Pflegeinfrastruktur für die kommende Pflegewelle aufzubauen. Wer heute nicht plant, baut und betreibt, kann morgen keine Babyboomer versorgen.“

Die Pflegekrise: Eigenanteile hoch, Pflegeplätze knapp

Im ersten Jahr zahlen Pflegeheimbewohner inzwischen durchschnittlich 3.364 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Die Eigenanteile sind seit 2018 um 76 Prozent gestiegen – rund dreimal so stark wie die allgemeinen Verbraucherpreise. Seit Ende 2021 fehlen rund 60.000 zusätzliche Pflegeplätze.

Greiner: „Mehr Pflegeplätze und günstigere Pflege gehören zusammen. Die Antwort auf steigende Eigenanteile kann nicht sein, die Rechnung immer nur weiterzureichen. Wir müssen Pflege besser organisieren: Personal nach Kompetenz und Bedarf einsetzen, Beschäftigte durch Digitalisierung entlasten und unnötige Bürokratie streichen. So können mehr Menschen versorgt werden und die Kosten pro Platz sinken. Auch die Länder müssen Investitionen erleichtern: Doppelprüfungen abbauen, kostentreibende Bauvorschriften überprüfen und vor allem: weniger statt mehr Personalvorgaben.“

Zehn Jahre bis zur Pflegewelle

Ab Mitte der 2030er-Jahre erreichen die geburtenstarken Jahrgänge das besonders pflegesensitive Alter. Bis 2045 steigt die Zahl der Hochbetagten auf 8,6 Millionen.
Greiner: „Wenn es zu wenig Pflegeplätze für die Babyboomer gibt, müssen die Familien einspringen, also vor allem die Frauen. Sie müssen dann ihre Arbeitszeit reduzieren und fehlen den Unternehmen – so verschärft sich der Fachkräftemangel. Versorgungssicherheit ist deshalb längst mehr als Pflegepolitik: Sie betrifft Wirtschaft und Arbeitsmarkt, Familien und Kommunen.“

Linnemann muss Reform neu ausrichten

Greiner: „Der bisherige Entwurf zur Pflegereform liefert keine Antwort auf die Versorgungskrise. Linnemann muss den Neustart wagen. Jetzt ist die Ruhe vor dem Sturm. Knappes Geld, weniger Personal, viel mehr Hochbetagte – das wird das Morgen sein. Verdrängen ist verboten, Versorgung für alle das Ziel. Wenn Carsten Linnemann hierfür soziale und marktwirtschaftliche Lösungen findet, kann er zum Ludwig Erhard der Altenpflege werden.“

Unsere Pressemitteilungen greifen aktuelle fachliche Themen in der Pflegebranche, pflegepolitische Entwicklungen sowie pflegerelevante Gesetzgebung auf. Sie informieren über Neuigkeiten, Aktivitäten des Verbandes, ordnen Ereignisse ein und geben Einblicke in relevante Themen aus Sicht der Pflegeunternehmen. Sie erscheinen regelmäßig und richten sich an Medien, Fachöffentlichkeit und Interessierte.

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